"Der Weg zurück ins Leben": TMS für die Behandlung von Zwangsstörungen

Die "International OCD Awareness Week" wurde 2009 von der International OCD Foundation ins Leben gerufen. Anlässlich des diesjährigen Themas "The Road to Reclaiming Your Life" sprechen wir mit dem Expertenteam von neurocare über TMS (Transkranielle Magnetstimulation) und darüber, wie sie zunehmend Anerkennung als wirksame Behandlungsoption findet, insbesondere wenn vorangegangene Therapieformen nicht geholfen haben.

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Was ist die TMS-Behandlung von Zwangsstörungen?

Bei der TMS-Behandlung wird eine Magnetspule auf einen bestimmten Bereich des Kopfes aufgelegt, um Netzwerke im Gehirn zu aktivieren. Bei der Behandlung von Depressionen beispielsweise wird die Spule in der Regel direkt über der linken Schläfe platziert. Die Wissenschaftler begannen jedoch zu untersuchen, ob diese Neurostimulationstechnik auch auf einen anderen Bereiche des Gehirns wirkt, der mit Zwangsstörungen in Verbindung gebracht wird.

Dr. Marleen Stam, eine Psychologin, die andere Therapeuten in der korrekten Anwendung von TMS schult, erklärt den Ansatz zur Behandlung von Zwangsstörungen mit TMS: "Bei Patienten mit Zwangsstörungen wird eine übermäßige Aktivität im supplementär-motorischen Kortex (SMA) beobachtet, einem Bereich des Gehirns, der bei der Planung und Ausführung von Verhaltensweisen und Aktivitäten eine Rolle spielt. Ziel der TMS ist es, die Aktivität in diesem Teil des Gehirns zu hemmen, um die Zwangsstörung zu behandeln.

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"Die TMS wurde an vielen verschiedenen Hirnarealen zur Behandlung der Zwangsstörung erprobt. Die Forschung zeigt jedoch, dass eine Stimulation des supplementär-motorischen Areals (SMA) die höchste Wirksamkeit aufweist", sagt Dr. Stam.


Sind Sie als Mediziner:in oder Psycholog:in daran interessiert, TMS in Ihrer eigenen Praxis oder Forschung einzusetzen? Dann absolvieren Sie den professionellen Online-Kurs "rTMS in Depression, OCD & New Developments" (in englischer Sprache) von neurocare und machen Sie den ersten Schritt zur Zertifizierung. Oder besuchen Sie den Kurs von Dr. Wolfgang Strube, der mehrmals im Jahr in München stattfindet.


Dr. Trevor Brown ist Neurowissenschaftler und Ausbilder bei der neurocare group und schult Fachleute auf der ganzen Welt in der Theorie und Anwendung von TMS. Er erklärt, warum Forscher daran interessiert waren, diesen Bereich des Gehirns bei OCD-Patienten zu stimulieren: „Die ursprüngliche Hypothese war, dass das inhibitorische System über das SMA mit TMS-Impulsen angesprochen werden kann. Daher kann diese Aktivierung des inhibitorischen Systems einem OCD-Patienten helfen, seine Zwänge zu reduzieren", sagt Dr. Brown.

Zwar sind noch weitere Untersuchungen erforderlich, doch haben Wissenschaftler und Ärzte bei Zwangsstörungen vielversprechende Effekte der TMS-Behandlung beobachtet: "Wir sehen eine Verbesserung der Kernsymptome, die mit OCD-Skalen (wie dem YBOCS) gemessen werden können", sagt Dr. Brown.

Wie wir die TMS für die Behandlung von Zwangsstörungen personalisieren

Entscheidend ist, dass Neuromodulationsbehandlungen jedes Hirnareals die natürliche Fähigkeit des Gehirns zur Neuvernetzung nutzen. Dies wird als "Neuroplastizität" bezeichnet und betrifft nicht nur den stimulierten Bereich, sondern möglicherweise auch andere Bereiche des Gehirns über weit verzweigte neuronale Netzwerke.

Die Wirkungen der TMS bei Zwangsstörungen gehen möglicherweise über die Behandlung der Symptome hinaus, indem sie auch die zugrundeliegenden Co-Faktoren ansprechen. "Bei einer TMS-Behandlung von Zwangsstörungen gehen oft auch Symptome wie Depressionen zurück", sagt Dr. Brown. „Die Beweise mehren sich schnell, und viele positive Studien haben jetzt sogar zu einer FDA-Zulassung für die TMS-Behandlung von Zwangsstörungen in den USA geführt.“

Diese Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass die TMS allein möglicherweise nicht die gewünschte Wirkung erzielt, sondern dass ein stärker personalisierter Ansatz, bei dem biologische oder umweltbedingte Faktoren näher betrachtet werden, zu besseren Ergebnissen führen könnte.

Donse und Kollegen stellten 2017 in den Niederlanden in einer solchen Studie fest, dass die Teilnehmer:innen, die gut auf die TMS-Behandlung ansprachen, auch eine gute Schlafhygiene aufwiesen. Die Untersuchung und Verbesserung der Schlafhygiene ist fester Bestandteil der Standardroutinen in den neurocare clinics weltweit.

Ist die TMS die Zukunft der Behandlung von Zwangsstörungen?

Dr. Stam, der in den Niederlanden arbeitet, geht davon aus, dass die Behandlungsmethode eines Tages in weiteren Ländern zugänglicher werden könnte. „Hoffentlich wird die TMS eines Tages in den Niederlanden und im übrigen Europa von den Krankenkassen erstattet", sagt sie.

Bis dahin ist noch viel Forschung nötig, aber die Ergebnisse scheinen vielversprechend. Kürzlich gab die neurocare group den Beginn einer Phase-III-Studie in unseren clinics in den Niederlanden bekannt. Diese untersucht die Kosteneffizienz von TMS für Patient:innen mit Zwangsstörungen, die auf eine "Expositionstherapie", eine andere gängige Behandlungsform, nicht angesprochen haben.

Ein Rückblick auf die Entwicklung der TMS bei Depressionen zeigt, dass die Behörden die TMS in der Regel zunächst als "letztes Mittel" für behandlungsresistente Fälle empfehlen. Bei neurocare hoffen wir jedoch, dass die TMS mit der Zeit zu einem Instrumentarium der Erstlinientherapie werden wird. Dies geschah zum Beispiel kürzlich in Großbritannien, wo die aktualisierten NICE-Leitlinien die TMS für Depressionen neben Standardbehandlungen wie Psychotherapie empfehlen.

Damit die TMS zu einer Standardbehandlung für Zwangsstörungen werden kann, müssen mehr Fachleute in den korrekten Verfahren und der Durchführung der TMS geschult werden.

"Eine der Hauptschwierigkeiten ist der Zugang zur Behandlung. Da Zwangsstörungen von Psychologen und Psychiatern behandelt werden, müssen diese in der Anwendung der TMS-Technologie geschult sein oder einen Techniker zur Verfügung haben. Das kann kostspielig und unpraktisch sein. Der Zugang zu den Therapien steigt in gleichem Maße, in dem ihre Kosten und die Ausbildungshürden der Therapeuten sinken", sagt Dr. Brown.

Professionelle Schulungsorganisationen wie die neurocare group erleichtern den Zugang zu TMS-Schulungen und bieten maßgeschneiderte Kurse für psychiatrische Praxen und Krankenhäuser an. Darüber hinaus bieten immer mehr Therapiezentren, z. B. in neurocare clinics, diese Behandlung an, so dass mehr Menschen mit Zwangsstörungen Zugang zur TMS erhalten.

„Eines der Dinge, die Patient:innen an der TMS-Behandlung schätzen, sind die minimalen Nebenwirkungen; Patienten, die auf Medikamente nicht angesprochen haben oder bei denen Medikamente schwere Nebenwirkungen hatten, haben jetzt eine weitere nicht-invasive Option, die sie in Absprache mit ihrem Hausarzt erwägen können", sagt Dr. Brown.


Unterstützung für Fachleute bei der Einführung von TMS in der Praxis


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Bei neurocare sind wir der Meinung, dass Medizinern eine Vielzahl von Instrumenten zur Verfügung stehen sollte, um ihren Patient:innen die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen. Die TMS spielt dabei eine wichtige Rolle und wir freuen uns darauf, zu sehen, wie sie sich neben anderen innovativen Behandlungsmethoden weiterentwickelt.

neurocare stellt Ihnen einen professionellen Fortbildungskurs auf dem neurocare LMS zur Verfügung:

bei Depressionen und Zwangsstörungen. Im Anschluss daran kann ein praktischer Workshop in einer der neurocare clinics oder Schulungszentren weltweit durchgeführt werden.

Außerdem bieten wir in Zusammenarbeit mit Dr. Wolfgang Strube mehrmals im Jahr einen 2-tägigen Praxiskurs in München an.

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