Anwendertreffen Neuromodulation 2026

6. - 7. Juni 2026, Ilmenau

Vortrag von Vivian Werner - Abstract

Mu-Suppresions Neurofeedback-Training mit Fokus auf sozialer Kognition bei Autismus-Spektrum-Störungen

Vivian Werner 1,2,3, Manuel Pöhlmann1,2,3, Samaneh S. Dastgheib1,2,3, Helene Kreysa1,2,3, Lisa Göschel1,2, Christine Nussbaum1, & Stefan R. Schweinberger1,2,3,4 (stefan.schweinberger@uni-jena.de)

1Abteilung für Allgemeine Psychologie und Kognitive Neurowissenschaften, Friedrich-Schiller-Universität, Jena
2Forschungsgruppe Soziale Potentiale und Autismus, Friedrich-Schiller-Universität, Jena
3Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit, Standort Halle-Jena-Magdeburg
4Herbert Feuchte Stiftungsverbund, Schleiz und Jena

Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) werden häufig durch sozio-kognitive Defizite begleitet, welche schwere Konsequenzen für Soziale-Inklusion und Wohlbefinden haben können. Dysfunktionen des Spiegelneuronensystems (SNM) wurden als eine mögliche neuronale Grundlage dessen diskutiert. Die menschlichen SNM-Funktionen wurden mit einer niedrigen Suppression des EEG-basierten sensomotorischen Mu-Rhythmus (8-13 Hz) bei dem Beobachten Ziel-gerichteter Aktionen anderer, in Verbindung gebracht. In einer proof-of-concept Studie konnten wir kürzlich teilweise Belege dazu beisteuern, wie Mu-Suppressions Neurofeedback (NFT) anhaltende Suppression in SNM-attribuierten Gehirnarealen neurotypischer junger Erwachsener induzieren kann (Dastgheib et al., 2024).

Hier präsentieren wir vorläufige erste Befunde mit wenigen autistischen Erwachsenen, die an 20 NFT-Sitzungen mit einem Mu-Suppressions Protokoll teilnahmen, welches sich auf die C3 und C4 Elektrodenpositionen ausrichtet. In dieser Studie erfassten wir prä- und post-Training Daten zur Untersuchung der durch NFT induzierten kortikalen Plastizität mittels 64-Kanal-EEG und führten mehrere ERP-Paradigmen zur sozialen Wahrnehmung durch. Zudem setzten wir psychometrische Tests und Fragebögen ein, um soziale Kognition und Kommunikation sowie die Lebensqualität zu quantifizieren (RMET, AQ-50, CAT-Q, MAIA-2, CIRC-SCQ, SPF-IRI, SRS2, TAS-26 und WHOQOL-BREF). Wir sind der Ansicht, dass die vorliegenden Ergebnisse zwar vielversprechend sind, jedoch als explorativ betrachtet werden sollten. Gleichzeitig sind weitere Anstrengungen erforderlich, um Neurofeedback zu etablieren und zu evaluieren sowie dessen Potenzial als alternativen Weg zur Förderung sozialer Inklusion, Selbstbestimmung und Lebensqualität zu untersuchen, insbesondere wenn sich das Neurofeedback auf bestimmte funktionelle Hirnnetzwerke konzentriert, die bei Autismus eine Rolle spielen.

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